Symptome und Krankheitsverlauf einer Mandelentzündung

Sowohl die Symptome als auch der Verlauf einer Mandelentzündung unterscheiden sich, wenn es sich um eine akute oder eine chronische Tonsillitis handelt.

 

Symptome

Die unerschiedlichen Symptome einer bakteriell verursachten akuten oder chronischen Mandelentzündung (lateinisch: Angina tonsillaris) sind einfach zu erkennen:

Akute Mandelentzündung

Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Abgeschlagenheit sind typisch für eine akute Mandelentzündung.
Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Abgeschlagenheit sind typisch für eine akute Mandelentzündung.

Anfangs äußert sich die akute Mandelentzündung durch zunehmend schmerzhafte Beschwerden beim Schlucken. Öffnet die betroffene Person weit den Mund, verstärken sich die Schmerzen und strahlen bis zu den Ohren hin aus. Hinzu kommen in aller Regel sehr typische Symptome, wie hohes Fieber mit einhergehendem Schüttelfrost, allgemeine körperliche Abgeschlagenheit und heftige Kopfschmerzen. Die Stimme klingt belegt und der Betroffene riecht unangenehm aus dem Mund. Von den ersten Krankheitsanzeichen bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Symptome vollständig ausgeprägt sind und sich Patient wirklich richtig krank fühlt, vergehen zumeist nur wenige Stunden.

Bei weit geöffnetem Mund sind die stark geröteten und geschwollenen Gaumenmandeln auch von einem Laien gut zu sehen. Sofern es sich um eine bakterielle Infektion handelt, sind die Mandeln zusätzlich mit eitrigen „Stippen“ oder Streifen bedeckt, die im Extremfall schmierig ineinander übergehen und einen weiß-gelblichen Belag bilden. Die rechts und links in den Kieferwinkeln sitzenden Lymphknoten sind ebenfalls geschwollen. Sie lassen sich sogar von außen ertasten und schmerzen bei Berührung.

Chronische Mandelentzündung

Außer leichten Beschwerden beim Schlucken fehlen bei einer chronischen Entzündung der Mandeln zumeist alle akuten Symptome. Allerdings leiden die betroffenen Personen in der Regel unter einem andauernd unangenehmen Geschmack im Mund und Mundgeruch. Bei einigen Betroffenen macht sich die chronische Mandelentzündung im Laufe der Zeit durch eine sowohl körperliche als auch geistig verminderte Leistungsfähigkeit bemerkbar. Die Lymphknoten am Hals können permanent geschwollen sein, verursachen jedoch keine Schmerzen.

Bei genauer Betrachtung erscheinen die Gaumenmandeln an ihrer Oberfläche sehr stark zerklüftet. Infolge von Verwachsungen und Vernarbungen des Gewebes mit der Mandelbucht lassen sich die Mandeln nicht mehr seitlich verschieben. Sofern ein Arzt mit einem Stäbchen direkt auf die Mandel drückt, quillt eine eitrige, unangenehm riechende Substanz heraus. Von Zeit zu Zeit lösen sich kleine Eiterklümpchen auch ohne Berührung und gelangen in die Mundhöhle.

Es ist nicht selten, dass eine chronische Mandelentzündung mit dem wiederholten Aufflammen akuter Entzündungen einhergeht. Ärzte bezeichnen dies als rezidivierende Infektionen.

Krankheitsverlauf

Sofern die typischen Symptome einer akuten Mandelentzündung vorliegen, sollte die betroffene Person unbedingt einen Arzt aufsuchen. Bestätigt seine Untersuchung den Krankheitsverdacht, wird er zur Bekämpfung der Bakterien ein Antibiotikum verschreiben. Neben Medikamenten, welche die heftigsten Symptome lindern, wie beispielsweise fiebersenkende Mittel oder Lutschtabletten sind moderne und gut verträgliche Antibiotika bei einer eitrigen Angina unverzichtbar. Es ist außerdem wichtig, die Medikamente genau nach Anweisung des Arztes und bis zum Schluss einzunehmen. Der Patient darf die Therapie keinesfalls ohne Rücksprache mit dem Arzt eigenmächtig und vorzeitig abbrechen.

Das Antibiotikum nicht vorzeitig absetzen

Schon ein bis zwei Tage nach Beginn der antibiotischen Therapie tritt in der Regel eine wesentliche Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes ein. Allerdings befinden sich in der Mundhöhle noch immer ausreichend Bakterien, die auch über die akuten Beschwerden hinaus bekämpft werden müssen. Ein vorzeitiges Absetzen des Antibiotikums gibt ihnen ansonsten die Chance, sich erneut explosionsartig zu vermehren. Ein Rückfall, ein chronischer Krankheitsverlauf und Folgeerkrankungen drohen!

Mögliche Komplikationen und Folgeerkrankungen

Komplikationen und Folgeerkrankungen entstehen hauptsächlich dann, wenn eine akute Mandelentzündung nicht komplett abheilt und dadurch verschleppt wird.

Akute Mandelentzündung

Durch eine gezielte Behandlung mit Antibiotika bekommt der Patient eine eitrige Mandelentzündung zumeist problemlos in den Griff. Innerhalb von ein bis zwei Wochen heilt sie vollständig aus. Sofern die Krankheit jedoch unbehandelt bleibt oder vom Betroffenen durch vorzeitigen Therapieabbruch verschleppt wird, wächst die Gefahr einer rezidivierenden Tonsillitis (wiederaufflammende Mandelentzündung) oder eines chronischen Verlaufs. Im schlimmsten Fall greifen dann keine Medikamente mehr und es bleibt nur noch die operative Entfernung der Gaumenmandeln.

Dann kann eine Mandelentzündung schwerwiegende Folgeerkrankungen auslösen. Ausgehend vom Rachenraum, gelangen die Keime und Bakterien ins Blut und von dort aus besiedeln sie andere Organe. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass die alarmierten körpereigenen Abwehrzellen irrtümlich beginnen, gesundes Körpergewebe anzugreifen. In der Folge kommt es ebenfalls zu Entzündungen an anderen Organen. Beispiele hierfür sind Nierenentzündungen oder rheumatisches Fieber.

Chronische Mandelentzündung

Während des chronischen Krankheitsverlaufes befindet sich ein permanenter Infektionsherd im Körper, der für die folgenden drei gefährlichen Infektionsarten verantwortlich sein kann:

Herdinfektion
Hierbei breiten sich die Streptokokken über die Blutbahn im Körper aus, was zu Gelenkentzündungen (Gelenkrheumatismus), Nierenentzündungen, Entzündungen des Herzens mit möglicherweise bleibenden Herzklappenschäden führen kann. Diese Komplikationen lassen sich ausschließlich durch das Entfernen des chronischen Entzündungsherdes wirkungsvoll verhindern. Wie sagt es der Volksmund dann treffend: „Die Mandeln müssen raus.“

Bildung von Abszessen
Sofern sich die Mandelentzündung auf das umliegende Gewebe ausbreitet und dort zu einer Eiteransammlung führt, spricht der Mediziner von einem Peritonsillarabszess. Dieser tritt in der Regel einige Tage nach einer akuten oder rezidivierenden Mandelentzündung in Erscheinung. Er führt erneut zu Fieber und einseitigen Schluckbeschwerden. Zumeist ist der Abszess deutlich zu erkennen, weil er in die Mundhöhle hineinragt.

Sepsis
Viele sprechen bei einer Sepsis auch von „Blutvergiftung“. Hierbei gelangen bestimmte, besonders aggressive Erreger in die Blutbahn und verteilen sich im gesamten Körper. Zumeist erfolgt zuerst eine akute Infektion der Weichteile, die später immer weiter „wandert“. Eine Sepsis ist immer lebensbedrohlich und gehört in sofortige intensivmedizinische Behandlung.