Diagnose und Behandlung

Spätestens, wenn nach wenigen Tagen Halsschmerzen nicht abgeklungen sind, ist der Besuch beim Hausarzt nötig. Die Diagnose einer Tonsillitis geht in der Regel schnell und die entsprechende Behandlung kann eingeleitet werden.

 

Wie diagnostiziert der Arzt eine Mandelentzündung?

Eine Mandelentzündung kann durch eine Untersuchung des Mund- und Rachenraums schnell festgestellt werden.
Eine Mandelentzündung kann durch eine Untersuchung des Mund- und Rachenraums schnell festgestellt werden.

Wird eine Entzündung der Mandeln, ganz egal, welcher Art vermutet, untersucht der Arzt zuerst die Mundhöhle, den Zungengrund, den Rachenraum und den Kehlkopf mit speziellen Endoskopen. Der medizinische Laie kann sich diese Sichtgeräte wie kleine Fernrohre mit Lupe vorstellen, mit deren Hilfe der Arzt in der Lage ist, auch „um die Ecke“ zu sehen. Sofern die Halsschmerzen bis zu den Ohren hin ausstrahlen, untersucht der Arzt zumeist auch die Ohren mit einer Art Ohr-Mikroskop. Er erkennt dann anhand des Trommelfellzustandes, ob die Mandelentzündung eventuell eine zusätzliche Mittelohrentzündung verursacht hat, was gerade bei kleinen Kindern recht häufig vorkommt.

In besonderen Fällen sind weitere Untersuchungen sinnvoll:

Gewebeprobe: Sofern eine einseitige Mandelentzündung vorliegt und diese nicht innerhalb von zehn Tagen selbstständig wieder abheilt, könnte eventuell eine bösartige Erkrankung der Gaumenmandel, eine HIV-Infektion oder eine Geschlechtserkrankung dahinterstecken. Anhand der Gewebeprobe lässt sich die entsprechende Sachlage zumeist eindeutig klären.

Ultraschalluntersuchung: Diese erfolgt oft bei einer Seitenstrangangina, um zu beurteilen, ob die Nasennebenhöhlen in bereits Mitleidenschaft gezogen sind.

Blutuntersuchung: Vermutet der Arzt eine chronische Angina, wird er Blut abnehmen und im Labor auf die Art des Erregers hin untersuchen lassen. Anhand der im Blut vorhandenen Giftstoffe kann der Mediziner erkennen, ob es im Zuge der chronischen Mandelentzündung eventuell schon zu Folgeerkrankungen gekommen ist. Zusätzlich geben die Typen und die Anzahl der weißen Blutkörperchen über den Zustand des Immunsystems Aufschluss. Bei mutmaßlichen Folgekrankheiten kommen dann noch weitere spezifische Untersuchungen, wie beispielsweise die Bestimmung der Nierenwerte, hinzu.

Antikörpertest: Sofern der Patient über immer wiederkehrende Entzündungen der Mandeln klagt bzw. eine chronische Mandelentzündung zu vermuten ist, erscheinen die Gaumenmandeln bei der visuellen Untersuchung zerfurcht und vernarbt. Sobald der Arzt mit einem Holzspatel Druck auf die Mandel ausübt, quillt ein eitriges Sekret heraus. Mit einem speziellen Antikörpertest lassen sich die Entzündung auslösenden Streptokokken eindeutig nachweisen.

Die Therapie richtet sich immer nach der Art und Schwere der Erkrankung. Manchmal sind konventionelle Medikamente ausreichend, manchmal muss der Arzt Antibiotika verordnen oder er rät zu einer Entfernung der Mandeln. Stets gilt: Bei Verdacht auf eine akute Angina, die nach wenigen Tagen nicht von allein besser wird, sollte der Betroffene nicht selbst „herumdoktern“, sondern besser einen Arzt aufsuchen.

Behandlungsmöglichkeiten bei akuter Mandelentzündung

Medikamente gegen Halsschmerzen und Fieber können die Beschwerden einer Mandelentzündung lindern.
Medikamente gegen Halsschmerzen und Fieber können die Beschwerden einer Mandelentzündung lindern.
Behandlung mit Medikamenten

Ist die betroffene Person ansonsten gesund, kann sie versuchen, eine leichte Mandelentzündung in den ersten beiden Tagen selbst wieder in den Griff zu bekommen. Abschwellende Tabletten gegen die Halsschmerzen, pflanzliche Mittel, schmerzstillende Wirkstoffe, wie beispielsweise Diclofenac oder Bromelain bieten sich hier an. Auch spezielle Rachensprays oder Gurgel-Lösungen können hilfreich sein. Moderates Fieber fällt unter Umständen durch die Einnahme von rezeptfreien fiebersenkenden Medikamenten. Selbstverständlich sollte der Betroffene die jeweilige Packungsbeilage lesen und im Zweifel beim Apotheker nachfragen.

Häufig ist eine Antibiotika-Therapie notwendig
In vielen Fällen geht es jedoch nicht ohne Antibiotika. Sollten die Beschwerden nach wenigen Tagen nicht abgeklungen sein, empfiehlt sich dringend ein Arztbesuch. Entsprechend seiner Diagnose kann dieser verschiedene Arten Antibiotika verordnen: Zur Bekämpfung einer klassischen Mandelentzündung verschreibt der Arzt zumeist Penicillin V, während bei schwerem Krankheitsverlauf oder Komplikationen ein sogenanntes „Breitbandantibiotikum“ angezeigt ist.

Achtung: Es gibt Menschen, die auf Penicillin allergisch reagieren. Dann muss der Arzt auf andere Antibiotika ausweichen. Sollten sich bei der Einnahme der verordneten Substanz Nebenwirkungen, wie Durchfall oder Hautausschlag einstellen, ist der behandelnde Arzt umgehend zu informieren. Er wird dann eventuell ein anderes Medikament verordnen.

Üblicherweise dauert die Antibiotika-Therapie zwischen sechs und zehn Tage. Der Patient darf die Einnahme der Medikamente keinesfalls vorzeitig abbrechen, selbst wenn er sich deutlich besser fühlt. Es besteht dann nämlich die Gefahr von Resistenzen. Das bedeutet, dass die Krankheitserreger gegenüber dem Wirkstoff immun werden, sich bei einer Neuinfektion wieder explosionsartig vermehren und dann vom Antibiotikum nicht mehr erreicht werden.

Homöopathische Arzneimittel

Homöopathische Mittel bei einer Mandelentzündung.
Homöopathische Mittel bei einer Mandelentzündung.

Grundsätzlich gilt: Homöopathische Mittel können bei unklaren oder akuten Beschwerden den Arztbesuch nicht ersetzen. Vor allem schwere Krankheitsverläufe sollten niemals ausschließlich mit homöopathischen Arzneimitteln behandelt werden. Allerdings bieten sie sich oftmals bei leichten Beschwerden oder zur Ergänzung der schulmedizinischen Behandlung in Rücksprache mit dem Arzt sehr gut an.

Sind die Mandeln rot geschwollen und treten Schluckbeschwerden auf, passen folgende homöopathische Mittel:

Apis mellifica (Honigbiene)
Belladonna (Tollkirsche)
Phytolacca (Kermesbeere)

Weisen die Gaumenmandeln bereits weiße „Stippchen“ oder Streifen auf, kann der homöopathische Wirkstoff Mercurius solubilis hilfreich sein.

Einige der genannten Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig! Außerdem ist die richtige Dosierung der Tabletten bzw. Tropfen ganz wichtig. Es ist deshalb ratsam, entweder einen Heilpraktiker oder gleich einen Arzt mit fundierten Kenntnissen auf dem Gebiet der Homöopathie aufzusuchen und sich gründlich beraten zu lassen.

Hausmittel

Für die Hausmittel gilt im Grunde genommen das Gleiche, wie für homöopathische Wirkstoffe. Sie können eventuell sehr leichte Erscheinungsformen des Krankheitsbildes zum Abklingen bringen oder aber sie lindern begleitend zur medikamentösen Behandlung die Beschwerden. Hausmittel haben zumeist keinerlei Nebenwirkungen und ihr Einsatz ist somit für den gesamten Körper sehr schonend.

Hier einige erprobte Hausmittel bei Angina im Überblick:

Viel Flüssigkeit in Form von Tee kann Beschwerden einer Mandelentzündung bessern.
Viel Flüssigkeit in Form von Tee kann Beschwerden einer Mandelentzündung bessern.

Gurgeln mit Salzwasser: Mehrmals am Tag einen Löffel Salz in einem Glas mit warmem Wasser lösen und gurgeln.

Honig und den Saft einer halben Zitrone in warmem Wasser mischen und in kleinen Schlucken trinken. Das wirkt schmerzlindernd und reduziert die Schleimproduktion im Rachenraum.

Weiche Speisen essen (Suppe, Brei) und kalte Speisen genießen (Eis). Diese Lebensmittel schonen die Kehle und das kühle Eis wirkt schmerzstillend und abschwellend.

Ein Luftbefeuchter im Schlafzimmer hilft, die Atemwege feucht zu halten, was schmerzlindernd wirkt.

Viel Flüssigkeit: Sofern aus medizinischer Sicht nichts dagegen spricht, sollte der Patient viel trinken. Vor allem kühler Tee (Kamille, Salbei) kann die Halsschmerzen wirkungsvoll lindern. Bei Fieber und damit einhergehendem Flüssigkeitsverlust ist ausreichendes Trinken besonders wichtig. Scharfes Essen dagegen sollte gemieden werden, ebenso das Rauchen.

Behandlungsmöglichkeiten bei chronischer Mandelentzündung

Wer mehr als zwei Mal im Jahr eine Mandelentzündung bekommt, leidet wahrscheinlich unter einer chronischen Tonsillitis. Nach sorgfältiger Untersuchung und dem Abwägen aller Vor- und Nachteile wird der Arzt eventuell dazu raten, die Mandeln operativ entfernen zu lassen (Tonsillektomie). Üblicherweise findet die Operation unter Vollnarkose statt und ist relativ gut kalkulierbar. In seltenen Fällen kann es zu einer Nachblutung kommen, die dann wie ein Notfall behandelt und entsprechend versorgt werden muss.

Bei der Klinikentlassung erhält jeder Patient genaue Instruktionen, wie er sich in einem solchen Fall zu verhalten hat und wohin er sich wenden kann. Normalerweise laufen die Operation und die anschließende Heilung ohne Komplikationen ab. Zwei bis drei Wochen nach der OP sind dann sowohl ein normaler Arbeitsalltag als auch ein schrittweiser Einstieg in sportliche Aktivitäten möglich.

Bei chronischer Mandelentzündung kann es notwendig sein, die Gaumenmandeln zu entfernen.
Bei chronischer Mandelentzündung kann es notwendig sein, die Gaumenmandeln zu entfernen.

Bei Kindern ist oftmals keine vollständige Entfernung der Gaumenmandeln notwendig. Außerdem benötigen Kinder noch viel mehr als erwachsene Personen ihre Mandeln als erste Immunabwehr gegen Krankheitserreger. Deshalb greifen Mediziner bei den kleinen Patienten nicht selten auf die teilweise Entfernung (Tonsillotomie) der Rachen- bzw. Gaumenmandeln zurück. Hierfür stehen heute moderne Laserverfahren zur Verfügung, die auch ambulant durchgeführt werden können und den Körper insgesamt schonen. Befindet sich jedoch die Entzündung der Mandeln bereits in einem fortgeschritten chronischen Stadium, wird der Arzt jedoch genau abwägen, ob eine teilweise Entfernung ausreicht oder nicht doch die gesamten Mandeln mit allen Erkrankungsherden entfernt werden müssen, damit es nicht zu schwerwiegenderen Erkrankungen kommt.

Gibt es Möglichkeiten zur Vorbeugung?

Eine starke Immunabwehr ist der beste Schutz gegen Infektionen überhaupt und damit auch gegen eine Mandelentzündung. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Obst, Gemüse, Milchprodukten, Fisch und Ballaststoffen, Sport, Wechselduschen bzw. regelmäßige Saunabesuche bilden die besten Grundlagen für starke Abwehrkräfte. Wer trotzdem von einer Mandelentzündung erwischt wird, hat mit einer dauerhaft gesunden Lebensweise zusätzlich auch die besten Voraussetzungen, diese dann schnell und ohne weitere Folgen zu überstehen.